William McKnight wuchs auf einer Farm in der Prairie des US-Staates South Dakota auf. Hier wurde er
von den Werten geprägt, die die Grundlage für seine spätere berufliche Laufbahn darstellten und
sich in einem bemerkenswerten Sinn für langfristige Planung, harte Arbeit und eiserne Disziplin
ausdrückten. Hartnäckigkeit war eine weitere seiner herausragenden Eigenschaften, die ihm
schließlich auch den Zugang zu 3M ermöglichten. Zweimal hatte der junge McKnight sich bereits
erfolglos beworben, ehe er noch während seiner Ausbildung an einem Business College im Jahre 1907
schließlich die Stelle als Hilfsbuchhalter bekam.
In dieser Position erkannte McKnight sehr schnell, dass der damals ”größte
Sandpapierhersteller der Welt” kurz vor dem Bankrott stand. McKnight stellte sich dieser
Herausforderung mit Intelligenz und überzeugtem Engagement. Innerhalb von zwei Jahren avancierte er
zum Leiter des Chicagoer Verkaufsbüros und arbeitete sich kontinuierlich weiter nach oben, bis er
im Jahre 1929 zum Präsidenten des Unternehmens ernannt wurde. McKnight schied 1966 aus dem aktiven
Berufsleben aus, blieb dem Unternehmen jedoch als Ehrenvorsitzender bis 1973 erhalten. Er starb
1978 im Alter von 90 Jahren.
Seiner Zeit weit voraus, erklärte McKnight heute allgemein praktizierte unternehmerische
Strategien schon früh zu den tragenden Säulen unseres Unternehmens. Dazu zählen:
Respekt für die Mitarbeiter
Bereits 1948 formulierte McKnight vorausschauend: "Mit wachsendem Umsatz wird es immer
wichtiger, Verantwortung zu delegieren und Mitarbeiter zu Eigeninitiative zu ermutigen. Natürlich
entstehen dabei auch Fehler, die aber langfristig weniger schädlich sein werden als die Fehler, die
einem Management zwangsläufig unterlaufen, wenn es mit strengen Vorschriften führt und
Arbeitsweisen bis ins Detail reglementiert. Ein Management, das überkritisch auf Fehler reagiert,
zerstört jede für das Weiterwachsen eines Unternehmens unerlässliche Eigeninitiative."
Politik der offenen Tür
Die Tür zu McKnights Büro stand allen Mitarbeitern stets offen. Gerüchten zufolge behielt der
frühe Befürworter des "Management by walking around" stets seinen Hut auf, um jederzeit zwecks
Produktionskontrolle zum Werk hinüberlaufen zu können. Diesen Kontakt zum Werk, zu den Leuten, die
die Produkte herstellen, erwartete der Chairman auch von seinem Management.
Den Kunden zuhören
Wie wichtig es ist, dem Kunden zuzuhören, erkannte McKnight schon früh während seiner Zeit im
Chicagoer Verkauf. Bevor er sich beim Kunden an die Verantwortlichen für den Einkauf wandte,
stattete er zunächst denjenigen, die im Betrieb mit Sandpapier arbeiteten, einen Besuch durch die
Hintertür ab, um sich hier für seine Produkte Rückendeckung zu holen.
Qualitätskontrolle
Qualitätsverluste des Schleifpapiers aufgrund einer Verunreinigung des Mineralrohstoffs mit
Olivenöl brachte 3M 1914 an den Rand des Ruins. Es dauerte lange, den Image-Verlust bei den Kunden
zu korrigieren. Durch diesen Vorfall alarmiert, investierte McKnight zwei Jahre später 500 Dollar
in die Einrichtung des ersten Labors zur Qualitätskontrolle. Noch im selben Jahr stellte 3M den
ersten technischen Mitarbeiter ein.
Diversifikation
Bis zum Jahre 1929 waren die Umsätze fast ausschließlich von Sandpapier abhängig. Um das
Wachstumspotenzial zu verstärken, ließ McKnight viel Geld und Energie in die Forschung von
Neuprodukten fließen. Nur zehn Jahre spä-ter machte Sandpapier nur noch 30 Prozent der
Gesamtumsätze aus.
Patentschutz
Das Schleifpapier "Wetordry", das in den zwanziger Jahren entwickelt wurde, galt als
Durchbruch für 3M, da es die Gesundheitsrisiken, die durch Staub und trockenes Schleifen
entstanden, erheblich reduzierte. McKnight wollte dieses Produkt schützen, aber seine Anwälte
teilten ihm mit, dass es nicht patentiert werden könne. Er suchte weiter, bis er einen Anwalt fand,
der ein funktionierendes Patent entwickeln konnte – das erste Patent von 3M. Im Jahre 1949 hatte 3M
schon mehr als 200 Patente angemeldet. Heutzutage ist unsere Patentpolitik ein ausschlaggebender
Faktor, der unser Unternehmen auch in Zukunft wettbewerbsfähig macht.
Internationale Märkte
Schon früh bereitete McKnight 3M auf den Einstieg in das Auslandsgeschäft vor. Ursprünglich
Teil von Durex, einem Kartell amerikanischer Schleifmittel-Hersteller, gründete McKnight nach
dessen Auflösung die International Division, die sich schnell auf den von Durex entwickelten
Märkten etablierte und damit die Basis für die heutigen internationalen Aktivitäten schuf.
Das Kernstück der Management-Philosophie von William McKnight war der überlieferte Glaube an
den Wert und die Fähigkeit seiner Mitarbeiter. Abschließend dazu seine eigenen Worte: ”3M besteht
aus Mitarbeitern und unser Erfolg ist ausschließlich abhängig von deren Fähigkeiten.”