"Geeignete Analyseverfahren helfen Kliniken, potentiell vermeidbare Komplikationen zu
identifizieren und effektiv abzustellen", das war eine These von Marvin Johnson, International
Market Manager Health Information Systems, 3M, der mit seinem Vortrag den ersten Veranstaltungstag
einleitete. Er verwies exemplarisch auf die in den Vereinigten Staaten und Japan stetig steigenden
Behandlungskosten. Um weiter Patienten zu gewinnen, zielten die Kliniken auf mehr Qualität ihrer
Behandlung. Die einfache Erhebung qualitätsrelevanter Informationen aus Routinedaten ist ein Fokus
im Software-Portfolio von 3M.
"Ich höre schon die Forderung, das müsse alles wieder auf einen Bierdeckel passen",
kommentierte Dr. Wulf-Dietrich Leber, Vorsitzender des AOK- Bundesverbandes, die 1035
DRG-Klassifikationen für 2007. Seine Kritik richtete er gegen die zunehmende Feindifferenzierung,
dazu funktioniere die Abbildung teilstationärer Leistungen weiterhin nicht und die flächendeckende
Qualitätssicherung mit DRG-Routinedaten stehe noch am Anfang. Dabei wird sie es sein, die nach dem
Wegfall der Länderförderung von Kliniken diesen das Überleben sichert.
"Die 25 häufigsten DRGs decken über ein Viertel aller Behandlungen ab", relativierte Dr.
Frank Heimig die Kritik am Klassifizierungs-System. Er zeichnet als Geschäftsführer des Instituts
für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) verantwortlich für das Regelwerk, dessen Überarbeitung
dieses Jahr knapp 4,3 Millionen Patientendaten einbezog. Dazu habe man knapp 1000 Vorschläge aus
Verbänden, Fachgesellschaften und von anderen Einsendern analysiert und über 30 Prozent davon
umgesetzt. Verbesserungen betreffen insbesondere Mehrfach- und Extremkosten-Behandlungen.
Dass DRGs selbst bei einem höheren Basisfallwert als Bezugsgröße nicht automatisch hohe
Krankenhaus-Ausgabe bedeuten, erläuterten Dr. Matthias Geiser, Geschäftsführer der
Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft und Matthias Blum, stellvertretender
Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen. Auch bei hohem Baisfallwert können
Klinikausgaben geringer als im Bundesdurchschnitt ausfallen. Beispielsweise gibt es in
Baden-Württemberg rund 10 Prozent weniger Krankenhausbetten, die Lebenserwartung liegt 1,5 Prozent
über dem Bundesdurchschnitt. Das Bundesland betreibt 11 besondere Einrichtungen, deren Spektrum von
Früh-Rehabilitation bis zu chronischen Erkrankungen wie Parkinson reicht und bietet damit eine sehr
gute Gesundheitsvorsorge und -versorgung. Ob der Basisfallwert - wie in Fachkreisen intensiv
diskutiert - von Länder- auf Bundesebene übergehen sollte, mochte Geiser allerdings nicht
kommentieren.
"Qualität ist etwas, das Patienten nicht abschreckt, sondern bringt", versicherte Ingo Bach,
Redakteur beim Berliner Tagesspiegel. Er stellte den Klinikführer Berlin vor, eine
Qualitätserhebung der Zeitung unter 44 Krankenhäusern der Hauptstadt. Einzig die Charité stellte
sich nicht dem Vergleich. Der Tagesspiegel lichte das undurchschaubarer Angebot der
Hauptstadt und zeige: "Was können die Häuser und was können sie davon am besten." Die Auswertung
der Routinedaten biete langfristige Vergleichbarkeit und eine bessere Datenvalidität. "Und sie
helfen, sogar Patienten aus dem Ausland zu gewinnen" zitierte Bach einen Berliner Klinikmanager zu
den weit reichenden Marketingeffekten der Erhebung.
Wie sich DRGs und Qualitätsmanagement in der Praxis verknüpfen lassen, zeigte Prof. Jürgen
Pauletzki, Leiter Qualitätsmanagement der SRH Klinken. Die sieben Häuser des Verbundes nutzen aus
der DRG-Dokumentation den § 21 Datensatz zur Erhebung von Qualitätskennziffern. "Die
vorhandenen Daten sind patientenbezogen, gut dokumentiert, homogen und konsistent. Allerdings haben
sie auch Schwächen, zum Beispiel bei der Dokumentation der Sterblichkeit und der
Tumorklassifizierung", so Pauletzki. Todesfälle erforderten daher eine interne Fall-Analyse.
"Qualitätsmanagement in seiner herkömmlichen Form hat ausgedient", hielt Dr. Jörg Eckhardt
dagegen. Der Leiter des Bereichs Kernkompetenzen der Maria Hilf GmbH in Dernbach plädierte dafür,
integrierte Behandlungspfade einzusetzen. Diese umfassen die fünf Komponenten Theorie einer
Behandlung, ihren Ablauf, dessen Dokumentation, das Controlling der Ergebnisse und die qualitative
Auswertung. So werde es möglich, Ergebnisse direkt auf den Prozess rückzukoppeln und diesen
hierdurch stetig zu verbessern und aus Fehlern zu lernen.
"Fehler sind das Ergebnis komplexer Fügungen", erläuterte der Bremer Psychologe Dominic
Cardozo. Als Mitarbeiter des Lufthansa Flight Training Centers blickte er über den medizinischen
Tellerrand und wieder zurück: Luftfahrt und Medizin sind hochdynamische Hochkompetenzbereiche. Ihre
Komplexität übersteigt oft den menschliche Erfahrungsschatz, der aber eine wesentliche Referenz zur
Fehlervermeidung ist. Da Fehler nicht zu vermeiden seien, sei die Konsequenz: "Wir müssen Systeme
und Prozeduren so gestalten, dass die Effekte menschlicher Fehler minimiert werden", so Cardozo.
Das verhüte den kritischen internen wie externen Imageverlust.
"Ärzte müssen sich als Casemanager begreifen", subsumierte Dr. Andreas Tecklenburg von der
Medizinischen Hochschule Hannover in seinem abschließenden Vortrag den Tag. Nur wenn die Mediziner
ergebnisorientiert arbeiteten, statt isoliert auf Methodenkompetenz zu setzen, sei
Qualitätsmanagement im Sinne des Patienten über den gesamten Behandlungszyklus zu erreichen. Der
Schlüssel hierzu seien interdisziplinäre Konzepte. Denn Krankenhäuser stehen in einem Preis- und
Qualitätswettbewerb. Tecklenburgs Folgerung: "Nicht die Kosten der Einzelbehandlung, sondern
der medizinische Nutzen je eingesetztem Euro, betrachtet über den gesamten Behandlungszyklus, wird
der wesentliche Parameter sein."
Der zweite Tag des Forums stand ganz im Zeichen der Praxis. Ein großes Thema war "Semfinder".
"Die Software präzisiert und beschleunigt das korrekte Inkasso, indem es Freitext-Einträgen
Kodierungs-Optionen zuordnet, aus denen der Arzt per Mausklick die passende Befundung auswählen
kann", erläuterte Hans-Rudolf Straub von der Semfinder AG. Dr. Katrin Mügge von der Helios Kliniken
GmbH sprach über die neue Generation der Helios Qualitäts-Indikatoren, die bereits in den 3M
Quality Report integriert wurden. Holger Bertok, zuständig für Qualitätsmanagement bei der
Hegau-Bodensee-Hochrheinklinik, zeigte, wie das webbasierte 3M Quality Portal in den fünf Kliniken
des Verbundes eine einheitliche und leicht nutzbare Basis für das Qualitätsmanagement bietet.
3M ist eine Marke der 3M Company.